Der Henker oder Scharfrichter im Mittelalter gehörte zu den wichtigsten unehrlichen Berufen....

 ist sicherlich für das SMA, aber nicht für das ganze
Mittelalter wahr. Eine Henkerstätigkeit ist ursprünglich, christlich gesehen,
eine sakrale Tätigkeit, bei deren Ausführung Henker und Opfer in einer
Verbindung zu Gott stehen. Im Sachsenspiegel ist noch vom ehrenvollen
Scharfrichter die Rede: “Der Büttel mag die Leut ohne sünd wol peinigen und
tödten. Ja er thut daran ein Gottes werck […] Sihe nun wol zu, du fronbot oder
Scharfrichter, das du den namen mit der that habest, und sey gerecht, dann
wirst du heilig genannt.” Büttel ( die auch Henkersfunktion hatten ) konnten
bei Massenhinrichtungen sogar jedem 10. Mann das Leben schenken (gegen Loskauf
oder Hinnahme einer Verstümmelung versteht sich . Sicherlich war der Henker
schon immer eine diabolische, gefürchtete Person, aber die “Verunehrung” begann
erst mit dem SMA und dem allmählichen Übergangs zum berufsmäßigen Vollzug sog.
“peinlicher Strafen”. Seit dem 14. Jahrhundert verstärkte sich die Tabuisierung
des Henkers - er war gebraucht, aber man wollte nichts mit ihm zu tun haben.
Die Isolation des Henkers und seiner Gehilfen wurde nicht nur sozial, sondern
auch topografisch (Henkerwohnungen) durchgesetzt. Es ging sogar so weit, dass
man den Namen des Henkers verschwieg und ihn mit falschen, diffamierenden Namen
, wie Meister Hans oder Meister Fix bedachte. Mitte des 13. Jahrhunderts soll
der Begriff Henker zuerst aufgetaucht sein - in Köln fällt die
Berufsbezeichnung Scharfrichter offiziell zum ersten Mal ca. 1370. 1435
befassten sich Rat und Schöffen Kölns näher mit dem Scharfrichtertum. Sein
Eid,seine Rechte und Pflichten wurden schriftlich festgehalten; unter anderem
auch,interessanter Weise, seine Bezahlung: (Der Kölner Scharfrichter übte sein
Amt auch in umliegenden Städten und Dörfern aus, so diese keinen eigenen Henker
hatten) - in Kassel und Brauweiler einen alten Schild - in Deutz einen Gulden -
in Brühl fünf Mark - in Neuss bekam er kein Geld, sondern er erhielt ein Haus
und die Erträge von zwei Morgen Land. Umgerechnet in heutige Kaufkraft sollen
das 350-2000 € gewesen sein. Überließ der Henker jemand anderem die
Hinrichtung, dann bekam er trotzdem das Geld dafür. Die Kleider seiner Opfer
fallen ihm auch zu, nur Geld, falls er welches findet, muss er dem Greven
abtreten. In vielen großen Städten bekommt er eine Wohnung mietfrei zur
Verfügung gestellt ( in Köln am Hühnermarkt) und ist vom städtischen Wachdienst
befreit. Man schätzt, dass der Kölner Scharfrichter seine Haupteinnahmen von
den Dirnen bezog, solange sie sich von ihm beschützen liessen. Der Henker hatte
aber auch folgende Ausgaben: Er musste zehn Mark jährlich an den Greven zahlen.
Darüber hinaus hatte er weitere nicht unbeachtliche Abgaben in Lebensmittelform
zu erbringen und musste all sein Arbeitsgerät selber erwerben. Festgehalten
wurde noch, dass er bei Verbrennungen Heu, Pfosten und Seile beisteuern und
beim Sieden ein Drittel des Kessel kaufpreises berappen musste. Zum Zeitpunkt
dieser Regularien (1435) stand der Scharfrichter noch in engem Kontakt zum
Greven, der ein sehr angesehener Mann war - Daran lässt sich erkennen, dass die
Tabuisierung noch nicht allzu weit fortgeschritten war. Der Henker übernahm
dazu vielerorts ( oft in kleineren Ortschaften ) noch den Beruf des Abdeckers,
was seinen sozialen Niedergang förderte. Über die Kleidung des Henkers kann ich
nicht viel sagen. Auf Abbildungen des SMA kann man ganz “normale” Kleidung
erkennen, ohne besondere Kennzeichen. Allerdings sind die mir gerade vorliegenden
Bilder schwarz/weiß und nicht allzu zahlreich… Ich glaube die schwarze
Henkerskapuze ist erst im 16. Jahrhundert üblich geworden, um den Henker vor
dem Bösen Blick zu schützen. Weiß da jemand etwas drüber? Das Richtschwert
wurde erst im 18. Jahrhundert gänzlich durch das Beil verdrängt.

Quelle: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker - Außenseiter in einer
mittelalterlichen Stadt (spez. Köln 1300-1600), Franz Irsigler und Arnold
Lassotta, 1989


Henker,Scharfrichter. 
entwickelte sich aus dem Ende der Frühzeit. Ausgehend nach Beendigung der Völkerwanderung zum Anfang
des Mittelalters, welches viele ab dem Überfall der Wikinger auf das Kloster von Llyndisfairn setzen im Jahre 799, das sich das Tingrecht und auch die
blutige Lynchjustiz immer mehr und mehr zu einer Gerichtsbarkeit der Fürsten, Könige, des Kaisers oder auch der Städte entwickelte und somit auch der, der nach dem Recht scharf urteilte, dann langsam die Position des alleinig Hinrichtenden einnahm.
Doch Scharfrichter waren nicht immer männlichen Geschlechts.So gibt es etwa stichhaltige Anhaltspunkte dafür, dass auch Frauen vom späten
Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert vereinzelt als Scharfrichterinnen oder Henkerinnen agierten. Während der Französischen Revolution und danach, etwa bei der öffentlichen Hinrichtung von Frauenmördern in Frankreich, durften sie mitunter mit der Guillotine exekutieren.
In Deutschland soll Mitte des 17. Jahrhunderts gar die Frau eines Henkers ihren Mann kurzfristig vertreten und zwei Diebe am Galgen hingerichtet haben. 
Zusatzverdienst? … Ich denke mal … Wer wollte schon die „Wertsachen“ eins hingerichteten haben? 
Was der Henker mit dem Schwert erreichen kann, das ist sein. Sachen eines Selbstmörders aneignen,welcher er neben dessen
Leicheam stehend mit dem Schwerte oder einem anderen Werkzeug, das er zu Hilfe nehmen durfte,z.B. Hammer,Speer, berühren konnte[Mittelalterliches Recht].
Keiner wollte dem unreinen Henker zu nahe kommen. Damit ihm jeder aus dem Weg gehen konnte, ordnete die Obrigkeit vielerorts an, dass der
Henker möglichst auffällige Kleidung tragen mußte. Vielfach mußte der Henker ganz in Rot gekleidet sein. Eine ungewöhnliche Kopfbedeckung konnte ebenfalls als Erkennungszeichen dienen. In Frankfurt (Main) mußte der Scharfrichter ab 1543 stets mit rot-weiß-grünen Lappen am Rockärmel und Mantelarmloch erscheinen,"damit er abgesondert vor ehrlichen Leuten erkannt werden möge.
Es entstanden regelrechte Henkersdynastien, die alle miteinander versippt und verschwägert waren. Die berühmtesten Sippen waren die
Sansons in Frankreich, welche auch König Ludwig XVI und Marie-Antoinette guillotinierten; die Deibles in Deutschland und die Grosholz und Vollmars in
der Schweiz. 

Nachdem der Richter das Todesurteil gesprochen hatte, kamen dem Angeklagten in der Regel eine Vielzahl von Vergünstigungen zuteil. Er konnte den Kerker gegen eine komfortable Einzelzelle tauschen, sich zu Essen und zu Trinken bestellen was das Herz begehrte und selbst der Wunsch nach weiblicher Gesellschaft wurde erfüllt. Der Grund war aber nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, humanitäre Überlegungen, um dem Angeklagten sein
schweres Schicksal etwas zu erleichtern; sondern vielmehr Tiefverwurzelter Aberglaube. Die Menschen glaubten, das bei einer Hinrichtung nur der
Körper stirbt, aber nicht die Seele. Ist die Seele zufrieden, geht sie direkt in das Reich der Seelen über; stirbt ein Mensch aber im Zorn, bleibt die Seele
auf Erden und will Rache üben. Besonders starke Seelen wie beispielsweise Verbrecherseelen können dabei besonders schwere Schäden anrichten. Daher tat
man alles, um den Verurteilten zu besänftigen. Ebenso versuchten alle am Tode des Delinquenten beteiligten Personen die Verantwortung zu verschieben: Der Richter übergab den zum Tod Verurteilten an einen Nachrichter und entledigte sich so der Verantwortung, dieser beschuldigte den Henker, welcher sich
wiederum bei seinem Opfer entschuldigte und dem Richter die Schuld gab. Im alten Athen wurde sogar nach der Tat das Beil vor Gericht gestellt, für
schuldig befunden und anschließend verbrannt oder im Meer versenkt. Vieles vom oben gelesenen habe ich irgendwann, irgendwo im WWW gelesen, bei bedarf werde ich die Quellenangabe nachreichen.

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