Keuschheitsgürtel.
Was wäre das Mittelalter ohne ihn? Der berühmten Gürtel, der schon oft
Anlass zu Spekulationen und Späßen bot.

Nun gut versuchen wir ernsthaft zu bleiben,
Keuschheitsgürtel (v. mhd. kiusche, ahd. kuski = züchtig, schamhaft; v. lat. conscius = bewusst. In der urspr. Bedeutung wahrscheinlich: [der christl. Lehre] bewusst). Erwähnt wurden Sie erstmals um 1380.
Erwähnt wurde er auch Anno Domini 1400 in Padua. Er sollte den vorehelichen Geschlechtsverkehr bei Jungfrauen verhindern sowie, die damals als Sünde geltende Masturbation der Trägerin verhindern. Keuschheit sollte in dieser Epoche ja auch etwas mystisches, ja schon Angst Einflößendes sein. Es wird sogar vermutet das der Doge von Venedig, Prostituierten solch einen Gürtel anlegen Liesen um Steuerschulden einzutreiben.
Eine frühe Darstellung findet sich im Kyeser-Codex von 1405. Durch eine Öffnung oder auch mehrere kleine Löcher kann der Urin abfließen, das zeigt eine Zeichnung, des oben erwähnten, deutschen Kriegstechnikers Konrad Kyeser.
Wurden Frauen im Mittelalter wirklich Keuschheitsgürtel umgelegt?
Ich wage es mal anzuzweifeln.
Ein Mysterium, der Keuschheitsgürtel für die Frau. Angeblich soll Sie ihn immer dann angelegt bekommen, wenn Ihr Herr auf langen Feldzügen unterwegs war. 
Sicher ist das nicht, die Geschichte wurde allerdings erst im Barock erfunden. So bringen es Leute vom Fach in die Medien. 
Die Funktion des Keuschheitsgürtels war drastisch einfach.
Hierzu wurde die geliebte Dame des Hauses einfach am Unterleib entkleidet und Ihr wurde dann der aus meistens rostenden Stahl bestehende Gürtel zwischen den Schenkeln gelegt und über den Hüften mittels einem sehr dicken, selbstverständlich auch rostendem Stahl Schloss, sicher und recht fest eingeschlossen. So müsste es gewesen sein, stimmt‘s?
Ich gebe zu bedenken …
Es gab mit Sicherheit bei jedem Keuschheitsgürtel einen Trick, um ihn zu öffnen, ohne dass das Schloss beschädigt wurde. 
Nun muss ich doch ein bissel schmunzeln …
So mancher Schmied wird sich durch sein Wissen nebenbei was dazu verdient haben,
oder er kam selbst auf seine Kosten!

In Deutschland gefundene, Gürtel aus dem17./18.Jh. waren aus ergonomisch geformten, geschmiedeten Eisenspangen. An der linken Hüfte klappbare Einstiegsöffnung mit anhängendem Vorhängeschloss. Im Schritt ovale Afteröffnung und vergitterte Vaginalöffnung mit Kerb- und Punktdekor. Die Außenseite der Spangen wurden mit Leder bezogen, die Innenseite mit weinrotem, teils beriebenem Samt gefüttert. Höhe 30 cm. Die durchgehend gepolsterte, komfortable Ausstattung lässt eindeutig darauf schließen, dass der Keuschheitsgürtel nicht als Strafe für sittliche Verfehlungen oder als Sicherheit für längere Abwesenheit des Ehemannes angelegt, sondern als freiwilliger Schutz für Damen auf Reisen und in gefährlichen Situationen verwendet wurde. 
Quelle … Literatur: E. Larraß. Der Keuschheitsgürtel - Phantasie und Wirklichkeit, in Zeitschrift der Gesellschaft für Historische Waffen- und Kostümkunde 1992, S. 1 ff. Quelle: Hermann-Historica Auktionen, München 
Es ist kaum vorstellbar, das die Damen solch unhygienischen Bedingungen unterworfen wurden. Bedenkt man, dass der rostende Stahl mit Sicherheit nur oft zu Infektionen im Intimbereich führte und keinerlei Abhilfe Maßnahmen eingeleitet werden konnten. Außer den Gürtel mit viel Gewalt von einem Schmied öffnen zu lassen.
Bewiesen oder aufgezeichnet ist dies allerdings auch nicht das, wann und wenn überhaupt, solche Mittel der sexuellen Enthaltsamkeit eingesetzt wurden.
Ich glaube eher das der Keuschheitsgürtel ein Mythos ist, der sich noch lange Zeit weiter in den Köpfen der Menschen in unterschiedlichen Formen ausprägen wird und uns noch länger beschäftigt.
Da die medizinischen Möglichkeiten zur damaligen Zeit aber nur begrenzt waren, wäre das Tragen eines Keuschheitsgürtel nicht nur zu einer äußerst schmerzhaften Tortur geworden, sondern hätte möglicherweise auch zu lebensgefährlichen Erkrankungen führen können.
Gibt es noch Bilder mit Keuschheitsgürteln?
Sicher gibt es noch genug Bilder im Internet oder diversen Medien oder Zeitschriften zu dem Thema Keuschheitsgürtel zu finden. Gerade einige, die das Mysterium ganz in Schwarz oder weiß ausdrücken und so schon allein das Alter des Bildes demonstrieren.
Man ging also lange vorher davon aus, dass das eiserne Korsett, welches bei den Frauen anmutend um die Hüften gelegt wurde, nur eine Begleiterscheinung in Bezug auf die Religionszüge in den Geschichtsbüchern erwähnt wurde.
Das Symbol des Keuschheitsgürtels fand sogar in das christlich moralische Weltbild des Pietismus des 18. Jahrhunderts, literarischen Einzug in die Gesangbücher. 
Jakob Baumgarten (1668-1722) nahm das Motiv in sein Lied "Keuscher Jesu hoch von Adel" (1700) auf
Zitat …Alle schnöden Unzuchtsflammen hilf durch deine Gotteskraft in mir tilgen und verdammen; gib, was Zucht und Ehre schafft, meine Lenden, meine Nieren lass den Gurt der Keuschheit zieren ...
Zitat ende.


Weiter Quellen in einer Übersicht 
http://www.web-wolf-mittelalter-portal.d…pper&Itemid=149 
http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/ms…tleinfo/3657168 
 http://home.teleport.com/~gumball/bellifortis.jpg

 

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