Hexen.

Was waren das für Frauen?

Ihr Name bedeutete ursprünglich „Hagediese“, eine Frau im „Hag“ lebend, dass die Innen- von der Außenwelt trennte. Im Mittelalter wurde aus der „Hagia“, die „Hag`sche“ und „Hagse“.

 Auf dem Lande aber fungierte die „Gute“ Hexe. Frauen, die sich besonders mit Kräutern auskannten, waren immer schon bekannt und beliebt. Sie kannten gut Tuende und damit Heilende, aber auch, sagen wir mal, Kräuter, die dem „Patienten“ das Leben kosten konnten. Über mehr als 30 Generationen hinweg, waren die Hexen, die einzigen Ärzte des Volkes. Das einfache Volk fragte die kluge Frau um Rat, Kaiser, Könige und Päpste hatten oftmals ihre „Leib Heilerin/Heiler“. Sollte jedoch der Fall eintreten, dass sie nicht helfen konnte, beschimpfte man sie und nannte sie Hexe. Wir wissen kaum, wie diese Frauen zu ihrem Wissen kamen, als Hebammen oder auch als Ärztinnen.

Um eines vorwegzunehmen …

Es gab die sogenannten „Hexenverbrennungen“ das ist und bleibt Fakt. Keine andere Kultur, wie die der Europäer, wurde so negativ beeinflusst durch das falsche kollektive Geschichtsgedächtnis, an die mittelalterlichen Hexenverfolgungen. Schlussendlich sind fast alle Informationen, die wir dazu haben, falsch.

Wir wissen alle …

Geschichte wird gemacht, meist aus Eigennützigkeit seitens des Klerus oder hochgestellten Personen/Kreisen, die daraus einen Vorteil zu ziehen erhofften.

Zitat …

Berlin (kath.net/ Jobo72´s Weblog) Geschichtsbilder werden gemacht. Anders geht es ja auch gar nicht, schließlich kann niemand die Zeit zurückdrehen, um sich persönlich von historischen Gegebenheiten ein eigenes Bild zu machen. Rekonstruktionen (vor allem räumliche) prägen also unser Bild vom Vergangenen. Wenn diese falsch sind, weil sie auf fehlerhaften Annahmen basieren, ist das Bild, das wir haben, ein falsches. Besonders bei Themen, die bis heute emotional aufgeladen sind, setzen sich die Bilder durch, die das Befinden der Mehrheit bedienen. Ob sie wahr sind, ist zweitrangig.

Zitat ende.

Medienberichte über das "dunkle Mittelalter" beruhen sehr oft auf reinrassigen Fälschungen.

Die fehlerhaften Darstellungen, in populärwissenschaftlichen Medienberichten und die daraus resultierenden Fehlurteile, basieren dabei zum Teil auf waschechten Fälschungen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema „Hexen“. Allgemeingültigen Meinungen nach hat das Mittelalter, Millionen von Frauen in Europa das Leben gekostet, da sie als sogenannte Hexen verbrannt wurden, bevor die Aufklärung kam und dem Spuk ein Ende bereitete.

So ist das aber nicht ganz richtig.

Irrtum Nummer eins: die Zeit.

Nicht das „ Finstere Mittelalter“ sondern, die frühe Neuzeit war der Zeitraum, in dem es die meisten Hexenverbrennungen in Europa gab. Die letzte Hexe wurde in Deutschland 1775 verbrannt …Das stimmt so nicht …

Wegen Teufelsbuhlschaft wurde der Hausmagd Anna Schwegelin am 4. April 1775 der Prozess in Kempten im Allgäu gemacht. Sie wurde vom freien kaiserlichen Landgericht zum Tode mit dem Schwert verurteilt, das am 11. April vollstreckt werden sollte. Doch dazu ist es nie gekommen.

In ihrem Prozess sagte sie aus, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, bestritt aber, jemals einen Schadenszauber ausgeübt zu haben. Gestützt auf die Constitutio Criminalis Carolina befand das Gericht sie der Teufelsbuhlschaft für schuldig und verurteilte sie. Dem Einfluss eines Beichtvaters ist es wohl zu verdanken, dass der Termin zunächst verschoben und dann aufgehoben wurde. Sie verblieb bis zu ihrem Tode 1781 im Gefängnis Kempten.

 Die Aufklärung war, zu diesem Zeitpunkt, ein Jahrhundert lang der Hauptstrom europäischer Geistesgeschichte.

Klären wir doch erst mal die Frage; worum es bei der Hexenverfolgung überhaupt geht.

Das Prinzip ist ganz einfach:

 Eine Frau wurde beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Die Folge davon, sie wurde gefoltert und hingerichtet.

Aufgrund von vorhanden zeitgenössischen Dokumenten muss davon ausgegangen werden, dass praktisch alle Hingerichteten unschuldige Opfer einer hysterischen Volksbewegung wurden.

 Neudeutsch würde man heute wohl von Mobbing sprechen. Aufgrund dieses Mobbings wurden, mehrere Zehntausend Personen, vor allem Frauen, teilweise Kinder und später auch Männer, zuerst Leute aus dem unteren, später auch aus dem höheren Stand die Opfer. Auffallend ist, dass ungefähr die Hälfte aller weltweiten Hexen-Hinrichtungen im deutschsprachigen Europa stattfanden. Angefangen hat der Hexenwahn allerdings in Frankreich. Es sei in diesem Zusammenhang an den Prozess der Jeanne d'Arc, der 1920 von der katholischen Kirche heiliggesprochenen Jungfrau von Orléans erinnert. Sie wurde 1431, erst 20jährig, als Ketzerin verbrannt. Vom zeitlichen Gesichtspunkt gesehen liegt die Spitze der Verfolgung um das Jahr 1700. Vereinzelte Prozesse aufgrund von Anklagen wegen Zauberei gab es zwar schon um 1000, und vereinzelt auch noch bis etwa 1900. Das Ende des Hexenwahns scheint vor allem in der Schweiz zu liegen. Als letzte hingerichtete Hexe in der Schweiz wurde der Fall der Anna Göldi bekannt. Die Dienstmagd wurde in Glarus Ende 1782 mit dem Schwert hingerichtet, also nur wenige Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution. Diese Revolution sollte durch ihre Auswirkung die alte Ordnung in Europa wegfegen.

Irrtum Nummer zwei: die Opfer.

In vielen Köpfen spucken zahlen, die fälschlicher weise, unter anderem von der NS-Propaganda propagiert wurden. Richtig ist …Es waren, nach derzeitigem Forschungsstand etwa 50.000 Personen, in 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung (1430-1780) und nicht etwa „8 oder 9 Millionen Opfer“.

Der Hexenwahn konnte sich also nur dort ausbreiten, wo der Glauben seine Substanz verloren hat. Nun, das ist eine Behauptung; stimmt das denn auch mit den Erkenntnissen überein, die wir aus den Geschichtswissenschaften haben?

Von den 125.000 Mitschriften bzw. Urkundlich erwähnten Prozessen der Spanischen Inquisition wurden 59 „Hexen" zum Tode verurteilt. 36 Opfer waren es in Italien, in Portugal 4. Wenn wir diese Angaben richtig sind und diese zusammenzählen, kommen wir auf nicht einmal 100 Fälle.

Zitat …http://www.k-l-j.de/Hexenverfolgung.htm

Im Gegensatz zu den "katholischen Kerngebieten" Spanien, Italien und Portugal war der Glaube der Bewohner Mitteleuropas (Frankreich, Polen und vor allem Deutschland) durch Pest, Krieg und schließlich durch die Reformationsstreitigkeiten so geschwächt, dass hier der Hexenwahn tumultartige Ausmaße angenommen hat, daran beteiligte sich die ganze Gesellschaft; darunter auch Kirchenmänner. Die Hexenbulle von Papst Innozenz VIII., die die Hexenverfolgung wenigstens regulieren sollte, aber in unseren Augen natürlich inakzeptabel ist, wurde von Deutschen erwirkt. Diese katholischen Deutschen, Heinrich Institoris und Jakob Sprenger waren sich mit den evangelischen Deutschen Martin Luther und Melanchthon im Hexenwahn einig. Über die Reformation kam es sogar zum Export des deutschen Hexenverbrennens nach Nordeuropa.

Zitat ende.

Die zahlreichsten Verbrennungen fanden proportional, in der Schweiz statt, 4.000 Verbrennungen bei einer Bevölkerung von einer Million Menschen.

Polen-Litauen weist an die 10.000 Personen bei einer Einwohnerzahl von 4.4 Millionen aus.

 Deutschland schlägt mit 25.000 Personen bei einer Einwohnerzahl von 16 Millionen Einwohnern zu Buche.

Dänemark-Norwegen kommt auf 1.350 Hinrichtungen, bei einer Einwohnerzahl von 970.000 Einheimischen, allesamt sind Länder, die sich gerade in der Neuzeit, von der katholischen Kirche bzw. vom christlichen Glauben entfremdeten.

Das heißt nun im Klartext: Die schrecklichen Hexenverfolgungen sind nicht eine Aktion der universalen katholischen Kirche, sie sind vielmehr Teil unserer deutschen historischen Schuld.

Der Hexenhammer zählt zu den verheerendsten Büchern der Weltliteratur und hatte katastrophale Konsequenzen für die Gesellschaft in Europa. Oben ist die Anzahl der Opfer pro Land aufgezeigt.

In zumeist islamischen Ländern führt die Christenverfolgung, übrigens jedes Jahr zu mehr als doppelt so vielen Opfern.

 Da wundert man sich schon, dass man als katholischer Christ, wesentlich häufiger auf die Hexenverfolgung angesprochen wird. Man weis ja, dass dies, seit einem Vierteljahrtausend der Vergangenheit angehört, jedenfalls soweit es eine europäische, „christlich“ motivierte war, als auf die Christenverfolgung, die jetzt stattfindet. In Deutschland waren die Opfer zahlenmäßig mehr Frauen, ansonsten war das Geschlechterverhältnis mindestens ausgeglichen, z. T. waren die Männer in der Mehrzahl; in Island waren 90 Prozent, in Estland 60 Prozent der Opfer Männer.

Dritter Irrtum: die Täter.

Das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation umfasste rund die Hälfte der 50.000 Opfer. Legt man die Quellenlage fest, kann davon ausgegangen werden,  dass die Opfer, zahlenmäßig  zwischen protestantischen und katholischen Gebieten  des Reiches,  different diversifiziert war und zwar, zulasten der protestantischen Gebiete. Demnach dann hat die Katholische Kirche die Verantwortung für etwa 10.000 Todesopfer zu tragen.

Interessant ist auch der Zusammenhang von Inquisition und Hexenverbrennungen:

Die Inquisition war nur wenigen Hundert an den mehr als drei Millionen Hexenprozessen beteiligt, die Schuldspruchquote liegt demnach bei 1,5 Prozent. Tatsächlich fanden die Hexenprozesse vor weltlichen Gerichten statt. Die Inquisition interessierte sich maßgeblich für Ketzer und nicht für Hexen. Hexenverfolgungen hat es im katholischen Spanien keine gegeben, wegen der Inquisition.

Auch in Italien sorgte die Inquisition dafür, dass so gut wie keine Hexe verbrannt wurde. In Rom, dem vermeintlichen Zentrum des Grauens, wurde nie eine Hexe oder ein Zauberer verbrannt. Die Katholische Kirche hat die Hexenverfolgung niemals offiziell bejaht.

Oftmals fällt der Satz … Ja, aber der, Hexenhammer!“

Oft wird unterschlagen, wie es eigentlich zu dem berüchtigten „Hexenhammer“ (Malleus Maleficarum, 1486) kam.

Heinrich Kramer (Institoris) schrieb ihn, weil er in Innsbruck erfolglos einen Hexenprozess angestrengt und kurz darauf des Landes verwiesen wurde. Von wem?

Vom Bischof Georg Golser (http://www.deutsche-biographie.de/sfz20394.html).

Der „Hexenhammer“ ist eine Reaktion darauf gewesen. Die Bulle, Summis desiderantes affectibus (1484), auf die sich Kramer in Innsbruck berief, enthielt im Übrigen die Aufforderung, verdächtige Personen ernsthaft zu prüfen und bei bestätigendem Ergebnis zurechtzuweisen, zu inhaftieren und zu bestrafen, nicht aber, sie zu verbrennen.

In der Praxis hat das den Hexenwahn eher gemindert als befördert. Kirchenrechtlich hat die „Hexenbulle“ übrigens, nie Bedeutung erlangt, maßgebend war immer, der Canon episcopi, der den „Hexenglauben“ als Einbildung ablehnte und bis zur Kirchenrechtsreform von 1918 im maßgeblichen CIC (Codex Iuris Canonici) enthalten war; „Summis desiderantes affectibus“ taucht dagegen in keinem Verzeichnis auf.

Wie gesagt …

 Die Katholische Kirche war gegen die Hexenverfolgung, im Gegensatz zu Luther und Calvin. Martin Luther war ein Verfechter der Hexenverfolgung, denn er war überzeugt von der Möglichkeit, des Teufelspaktes und des Schadenszaubers. In einer Predigt vom 6. Mai 1526 sagte er über Hexen und Zauberer:

Zitat …

„Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“ … Zitat ende.

Fairerweise sollte man sagen, dass Theologen beiderlei Glaubensrichtungen gegen den Hexenwahn angekämpft haben. Jesuiten wie Spee und Laymann oder etwa Johann Weyer (Konfessionszugehörigkeit umstritten, wahrscheinlich konvertiert) oder auch der reformierte Anton Praetorius.

Der Erste, der sich mit seinen Schriften, ausführlich mit Magie und Zauberei auseinandersetzt, ist der große Kirchengelehrte Augustinus (354-430).

Magische Handlungen sind seiner Ansicht nach, prinzipiell wirkungslos, setzen aber einen stillschweigenden Pakt mit dem Teufel voraus. Eine Art „Anleitung zur Bestrafung von Zauberern „ gibt er nicht. Das gesamten Früh- und Hochmittelalter (etwa 500-1250) wurde von den Lehren des Augustinus mit dem maßgeblichen Umgang mit Zauberern und Hexen beeinflusst. Sicherlich kam es zu vereinzelten Prozessen wegen Zauberei, die im schlimmsten Falle auch mit dem Tod enden konnten, von gezielten Verfolgungen kann jedoch keine Rede sein. Die Kirche wendet sich sogar ausdrücklich gegen Lynchjustiz und Pogrome, die von Teilen der Bevölkerung manchmal verübt wurden.

Irrtum Nummer vier: der Ort.

Zitat ...( http://jobo72.wordpress.com/2012/04/18/hexen/)

Der Schwerpunkt der Hexenverfolgung lag nicht in Europa, sondern liegt im heutigen Afrika: „Die intensivste Hexenverfolgung“, so schreibt der Theologe Richard Schröder in “ Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen (2008)“,  fand 2001 statt“, und zwar im „östlichen Kongo“. Dort hat sie alles andere als „christliche“ Gründe. Es gibt Schätzungen, die im Zusammenhang mit Hexenkulten im heutigen Afrika von mehreren tausend Opfern jährlich ausgehen. Dieser Umstand ist hierzulande meist unbekannt.

Zitat ende.

Irrtum Nummer fünf: das Ende.

Interessant ist auch, wie der Hexenwahn, in Europa!, sein Ende fand. Schröder meint dazu: „Durch die Aufklärung, sagt man. Das stimmt so nicht. Er kam nämlich schon im 17. Jahrhundert weithin zum Erliegen. Es gab nämlich massiven Widerstand. Die Gegner waren Theologen und Juristen, die sich als Christen verstanden“.

Einer davon war der schon erwähnte Friedrich Spee von Langenfeld. 1631 erscheint sein Hauptwerk, die Cautio criminalis („Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse“), die nur wenige Woche nach Erscheinen vergriffen ist. In diesem Buch entlarvt er die Hexenprozesse als Farce und die Vollstreckung der Urteile als Mord. Im Zentrum der Kritik steht die Anwendung der Folter, die damals zur Wahrheitsfindung eingesetzt wurde. Spee hält Folter zwar auch für moralisch verwerflich Zitat …:„Kein deutscher Edelmann würde ertragen können, dass man seinen Jagdhund so zerfleischte. Wer soll es da mit ansehen können, dass ein Mensch so vielmals zerrissen wird?“, doch zunächst für juristisch untauglich, weil sie in der Rechtspraxis zur fehlerhaften Beweisaufnahme führe. Friedrich von Spee war übrigens katholisch.

Schuld an den unwahren Legenden über das Mittelalter tragen auch unsere Historiker.

Wie kommt es aber, dass ein Satz mit fünf Fehlern zum „Basiswissen“ des „aufgeklärten“ Deutschen gehört?

M .m. n ist, dafür ist wohl mangelndes Richtigstellungsinteresse innerhalb der historischen Forschung in Deutschland verantwortlich.

 Interessant in dem Zusammenhang ist, dass offenbar erst 1975 durch die Arbeiten von Norman Cohn und Richard Kieckhefer geklärt wurde, dass die von Etienne Leon de Lamothe-Langon in seiner Historie de l’Inquisition en France (1829) beschriebenen Massenprozesse und -hinrichtungen im Zuge der Hexenverfolgung im Frankreich des 14. Jahrhunderts frei erfunden waren, wie die Mediävistin Jenny Gibbons in einem interessanten Artikel darlegt.

Nachdem die Forschungskommunität anderthalb Jahrhunderte lang keinen Anstoß daran nahm, dass der Verfasser der „Inquisitionsgeschichte in Frankreich“ keine Belege für seine Behauptungen anführt und keine Quellen nennt, ist nun deutlich herausgearbeitet worden, dass man für weitreichende Behauptungen, wie etwa die, dass an einem einzigen Tag 400 Hexen ermordet worden seien, Behauptungen anführen und Quellen nennen sollte. Diese Klärung erfolgte erst, als die Fiktion de Lamothe-Langons längst in der Geschichtsschreibung tradiert war und infolgedessen als unumstößliches Faktum die Stammtische erobert hatte.

Wir erinnern uns …

Geschichtsbilder werden gemacht.

Ouellennachweise: Siehe Linkkiste