Die Geschichte der Kindheit rund ums und im Mittelalter war für viele Kinder ein Albtraum, aus dem wir zum Teil gerade erst erwachen. 

Traurig aber doch tatsächlich wurden Kinder seit Menschengedenken immer wieder Misshandlungen wie Aussetzung, Verkauf, Verstümmelung, Züchtigung und sogar Mord ausgesetzt. Je weiter zurück wir in der Geschichte gehen, desto größer wird die Annahme, dass Kinder getötet, gequält , geschlagen ,ausgesetzt und sexuell missbraucht wurden. 

In früheren Zeiten waren Kinder vollständig rechtlos.

Heute haben Kinder zwar rechte, aber leider werden diese heute noch immer nicht von allen Erwachsenen geachtet.
Doch geht es ja hier nicht um das heute und jetzt sondern um die lange Geschichte dessen und der Entwicklung und der Spurensuche nach meinem heutigen beruflichen Tätigkeitsbereich.

Vielleicht ist es besser das man nicht genau weiß, wie viele Säuglinge im Laufe der Jahrhunderte ermordet wurden, wie viele Kinder verwahrlosten oder eines frühen Todes starben.
Auch wenn dieses nicht genau festzustellen ist., ist es doch bekannt, das Unzählige Säuglinge bei der Geburt oder kurz danach um kamen. Da im Altertum die Methoden der Empfängnisverhütung weithin unbekannt waren, war die Tötung neugeborener Kinder in jener Zeit die Form einer nachträglichen Geburtenkontrolle, meist motiviert von ökonomisch unbeständigen Lebensverhältnissen und handfester Überlebensnöte. 
Dabei galten Säuglingsmorde nicht als Unrecht. Da ein Neugeborenes (etwa im Alten Ägypten, in Griechenland, in Babylonien) erst als „Mensch" angesehen wurde ,nachdem bestimmte Zeremonien an und mit ihm ausgeführt worden waren. Am häufigsten wurden missgebildete und schwache Kinder, und primär Mädchen, getötet. Bei den Spartaner pflegte man missgebildete und behinderte Kinder auszusetzen. In Rom war Kindermord völlig legal. 

Die Grundlage dafür war die Macht des pater familias, auf deutsch “Vater der Familie“ also das Familienoberhaupt, wurde "patria potestas" auf deutsch “väterliche Macht“ genannt. Das Wort des pater familias war endgültig und absolut. Nach diesem Zwölftafelgesetz hatte der pater familias die vitae necisque potestas – die Macht über Leben und Tod aller Angehörigen der Familie. Er konnte also unter Umständen das eigene Kinder, die im gehörigen Sklaven oder seine Frau töten.

Ursprünglich eines rein, durch die Sittengesetze geprägtes Herrschaftsrecht, welches erst später auch ein Schutzrecht für die Kinder wurde. Es umfasste das Recht über die Person , wiederum dessen Züchtigung, Erziehung und über das Vermögen der Kinder .
Es endete durch Tod, Aufgabe oder Verwirkung.

Unbestreitbar unterlag die patria potestas seit der Spätzeit der Republik erheblichen Degressionen , es blieb aber peripher während Kaiserzeit und Spätantike geltendes Recht und wurde noch im Jahre 534 nach Christi im Codex Iustinianus bestätigt. 
Die einzige Beschränkung der Kinder Tötung lag darin , das von da an nur offensichtlich missgestaltetes Kind rasch getötet werden sollten.

Da es zu diesen Zeitpunkt ja immer noch keine Verhütung gab, war nicht jedes Kind ein Wunschkind. Wenn ein gesundes Kind geboren wurde entschied das Familienoberhaupt, ob ein Säugling in die Familie aufgenommen wurde oder ob man dieses aussetzte. 
Diese war ja gesetzlich nicht verboten , doch kam es meist der Tötung gleich, denn Aussetzung bot nur eine minimale Überlebenschance. 
Das verstoßene Kinder auf wundersame Weise gerettete wurden ,waren die in der griechischen Tragödie und Komödie populärsten Figuren gewesen. 
In der Realität wurden ausgesetzte die zufällig gerettete Kinder meist für die Sklaverei aufgezogen oder zum Teil auch zur Prostitution genötigt. 

Erst 200 Jahre gingen ins Land bis insbesondere die Kirche, welche das Leben der Neugebornen schützen wollte, die Gründung der Findelhäuser veranlasste. 
Diese Anstalten, in welchen Findlinge, so nennt man Kinder von ihren Eltern verlassene und ausgesetzte, aufgenommen und erzogen werden. Unter kirchlichen Einfluss wurde das erste Findelhaus in Mailand im Jahre 780 auf Veranlassung des dortigen Bischofs errichtet..Diesen Namen konnte ich leider nicht herausbekommen.) 

Diesem Beispiel folgten : „Ein erstes *deutsches* Findelhaus haben Historiker aus dem Jahre 1041 in Laibach ausgemacht. Diese Einrichtung der Benediktinerinnen war erste Einrichtung auf Fränkischen Grund speziell für Findelkinder . Da Laibach / Ljubljana ja heute nicht mehr zu Deutschland gehört, sondern die Hauptstadt und mit ca.278 Tausend Einwohnern zugleich die größte Stadt Sloweniens ist.
In Einbeck eine ehemalige Hansestadt, ein Mittelzentrum und eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Northeim in Südniedersachsen. Innerhalb dieser Stadtmauern wurde nachzuweisen, dass das im Jahr 1274 gegründete Spital St. Spiritus, das Unterkunft für alte Leute und Findelkinder bot. Wo sich Schwestern des Magdalenerinnenordens um die bedürftige Menschen kümmerte.

Um 1275 gab es dann die erste rechtliche Veränderung.
Der Schwabenspiegel, ein Land Lehenrechtsbuch , dessen Vorbild zweifellos der "Sachsenspiegel“ war . Im Jahre 1275 entstand er und war vor allem in Süddeutschland verbreitet, beeinflusste aber die Rechtsentwicklung bis nach Nordwestdeutschland, Burgund und Osteuropa (Siebenbürgen, Schlesien, Böhmen). Schwabenspiegel ist in über 400 Handschriften und in verschieden langen Fassungen überliefert.
Dieses Rechtsbuch erlaubte es ausdrücklich, dass Eltern im Falle ökonomischer Not ihre Kinder verkauften.

Mittelalterlichen Archive verlauten, dass arme Eltern bisweilen ihren Nachwuchs an wohlhabende oder Adelige Bürger verkauften oder verschenkten. Diese Anwendung es Gesetzes z. B. wurde erst im 19. Jahrhundert in Russland verboten.

Also war es auch üblich das Während des Mittelalters, dass Kinder in Pflegefamilien, Klöstern oder Spitälern aufgenommen wurden. 
Aufgrund einer extrem hohen Sterblichkeit von Säuglingen und Kleinkindern zu diesem Zeitpunkt, wurden diese bis zu ihrem 6. Lebensjahr in Pflegefamilien untergebracht. Danach wurden sie wieder von den Spitälern oder Klöstern aufgenommen. Unterstützt wurden diese Maßnahmen u. a. durch Ordensgemeinschaften, kirchlichen Stiftungen, Ritterorden, engagierten Persönlichkeiten und bürgerlichen Gemeinschaften. Die Aufgabe der Einrichtungen lag primär darin, die Kinder materiell zu versorgen und religiös zu unterweisen. Erziehung, schulische Unterweisung und berufliche Ausbildung waren zu dieser Zeit nicht angedacht. Stattdessen wurden die Kinder überwiegend zum Betteln angehalten, um die Mittel der Anstalt aufzubessern, sowie die Versorgung möglichst für sich selbst in absehbarer Zeit übernehmen zu können. Ebenso verlief es in den Pflegefamilien, denn auch hier wurden die Kinder zwar verköstigt und geduldet, aber eine Integration, Erziehung oder gar Ausbildung fand nicht statt. 
Das Betteln hatte jedoch in der Gesellschaftskonzeption des Mittelalters noch eine weitere Funktion. Arme boten den Gläubigen demzufolge die Möglichkeit etwas Gutes zu tun, denn durch ihre Gabe konnten sie sich einen guten Platz im jenseitigen Leben sichern. Die bedeutendste Neuerung zum Ende des Mittelalters, um ca. 1500, ist die erstmals getroffene organisatorische Differenzierung der Kinder .

Schon 1362 wurde hier ein Gesetz zu Gunsten der Findlinge erlassen, welches die Gemeinden zur Verpflegung derselben verpflichtete. 1790 wurde bestimmt, dass die Kinder nur kurze Zeit in den Hospizen verbleiben und dann auf dem Land verpflegt und nach zurückgelegtem zwölften Lebensjahr in die Lehre gegeben werden sollten. 1811 wurde angeordnet, dass jedes Arrondissement höchstens ein Findelhaus haben sollte. Alle Findelhäuser, deren Kosten zum großen Teil der Staat übernahm, sollten Drehladen oder Drehräder (franz. tour, ital. riota), d. h. Einrichtungen besitzen, welche es gestatteten, Kinder ungesehen abzugeben, so dass es unmöglich war, den Eltern derselben nachzuforschen.
Infolge hiervon stieg die Zahl der Findelhäuser 1833 bis auf 219, die Zahl der auf öffentliche Kosten unterhaltenen Kinder auf 131,000 gegen 65,000 im J. 1809. 

Um zu vermeiden, dass verheiratete Mütter ihre Kinder in Findelhaus abgaben, wurden 1834 die Präfekten ermächtigt, mit der Anerkennung der Generalräte die Drehladen aufzuheben, welche denn auch zu diesem Zeitpunkt ganz verschwunden sind.
Ferner nehmen Findelhäuser jetzt Kinder nur dann auf, wenn eine vom Vorstand angestellte Überprüfung dies als angemessen erscheinen ließ. 
Im Zuge der Aufhebung der Drehladen hatte man Anspruch erhoben, dass seit Aufhebung derselben die Fruchtabtreibungen daraus Resultierende Totgeburten und Kindesmorde sich wieder erheblich vermehrt hätten.

Im selben Zeitraum gab es die Grundsteinlegung meines heutigen Arbeitgebers.
Grafen, Adalbert von der Recke-Volmarstein nahm im Jahre 1816 mit seiner Familie erstmals Straßenkinder im väterlichen Schloss Overdyck bei Bochum auf und legte so den Grundstein für eine der ältesten diakonischen Einrichtungen in Deutschland. Er gründete aus christlicher Nächstenliebe die Gesellschaft der Menschenfreunde zur Rettung und Erziehung verlassener Waisen und Verbrecherkinder und schuf so mit seinem Vater Philip, das "Rettungshaus" in Overdyck.

Was man noch erwähnen sollte ist das, die Drehlade in die heutigen Zeit in Form der Babyklappe wieder gekehrt ist. Aus Findelhäusern wurden Waisenhäuser / Kinderheim.
So hat vieles im Mittelalter seinen Ursprung ,was uns manchmal gar nicht so bewusst ist. 

Früher war es Offenkundig ,heute findet es hinter verborgen Mauern des Schweigens statt. 
Gewalt gegen Kinder gibt es in allen Ländern ,auch bei uns leider immer noch.

Quellen :
Lloyd de Mause: History of Childhood, 1974, deutsch 1977
Heimerziehung von Gestern – Erfahrungen für kollektive Erziehung von Heute und Morgen von Thomas Trapper
Kindesmisshandlung und Kindesrechte von Gisela Zenz
Geschichte der Kindheit von Philippe Ariès
Geschichte - Graf-Recke-Stiftung

http://www.bibelwissenschaft.de
https://peter-hug.ch/lexikon
http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/base/start