Sexualität damals und heute.

Unser Gedankengut hat sich m. E. seid damals nicht oder kaum verändert. Grundsätzlichen Normen zur Sexualität wurden schon während des Mittelalters (500-1500) gelegt, unser Handeln prägt und somit noch heute in unseren Köpfen festsitzt und uns in sexueller Hinsicht beeinflusst. Die christliche Kirche, versucht immer noch großen Einfluss auf das heutige Sexualleben zu nehmen, in dem sie auch im 21. Jahrhundert gegen die Verhütung ist, bis dato waren alle Päpste dagegen (mal sehn, was von Papst Franziskus kommt, vielleicht ist er ja weltoffener als die anderen).

Die christlich geprägten Staaten haben ungefähr, diejenigen Vorstellungen übernommen, die im Mittelalter geprägt wurden.

Unter dem hohen Adel war im Frühmittelalter, die Mehrfachehe sowie das Konkubinat üblich. Die Kirche wollte nur noch die Einehe anerkennen, doch der Adel bestand weiterhin auf seinem Recht zur Vielehe. So konnte die Kirche im frühen Mittelalter ihre Moralgesetze nur den Laien aufzwängen, die zwar gute Christen sein wollten, jedoch mit den damit verbundenen Einschränkungen Schwierigkeiten hatten. Weniger Repressionen scheint das 12. Jahrhundert zu kennen. Mitte des 13. Jahrhunderts scheint eine repressivere Ära anzubrechen, in den Städten begannen der Klerus, die Prostitution und andere Bereiche des privaten Sexualverhaltens zu reglementieren und auch durchzusetzen. Kirchliche Gerichtshöfe bestraften nun Ehebruch, "Unzucht" und andere Sünden. Die Kirche wollte Normen durchsetzen und stellte Sexualität als etwas Sündiges und Böses dar. Doch viele Bereiche der Gesellschaft beachteten dies kaum.

Genau wie heute gab es vielfältige Ansichten über die Sexualität. Seid dem Luther seine Thesen an das Holztor nagelte, änderte sich das Ganze ein wenig. Das Zölibat wurde durch den aufkommenden Protestantismus, in der Renaissance abgewertet, seit dem änderte sich unser Bild über die Sexualität, im Gegensatz zu dem Bild des Mittelalters.

Die sich entwickelnden Wissenschaften dienten als neue "Meinungsmacher" und die Verbreitung der Frauenrechte veränderte unser Bild über Frauen in jüngster Vergangenheit.

So hat diese Kultur, die vor 500 Jahren unterging, so einiges mit unserer Kultur gemein. Wir entwickelten uns aus ihr, haben ihre Sprache übernommen und das Gedankengut fortgeführt und doch berühren uns Quellen aus jener Zeit als weit entfernte, unrealistische und zugleich faszinierende Vorstellungen. Die vergangenen 500 Jahre trennen uns vom alten Deutschen Reich und unseren Vorfahren - und zugleich von einer anderen Welt.

In Griechenland, einer der antiken Hochkulturen, war Prostitution und Homosexualität gesellschaftsfähig. Bekannte Philosophen und Staatsmänner bekannten sich offen zu ihrer Vorliebe für knackige Jünglinge.

Freizügigkeit in der Antike, Sexfeindlichkeit im Mittelalter.

Das Mittelalter war da, weit weniger liberal. Die christliche Religion war es, die die geistige Haltung gegenüber den fleischlichen Begierden bestimmte. Nur um Nachwuchs zu zeugen, war es den Menschen gestattet ihre eigene Sexualität auszuleben (ob das immer so klappte, wage ich zu bezweifeln). Wollust galt einfach als ganz schlimmes Laster. Männern und Frauen wurde eine tiefe Angst vor der Sünde eingeimpft, was mit einiger Sicherheit hemmende Auswirkungen auf das Sexleben hatte. Doch nicht nur die Furcht vor der ewigen Verdammnis stellte damals ein Hindernis da, das die Freude am Sex schmälerte. Das Mittelalter waren tausend Jahre, bestimmt von Elend und Krankheiten und „Unsexy“ Gerüchen. Alles nicht gerade Lust fördernd.

Text übernommen, http://guardianoftheblind.de/blog/2010/08/29/vier-irrtumer-uber-das-mittelalter/

 Sex im Zeichen der Bußbücher

Aus dem frühen Mittelalter sind praktisch nur kirchliche Quellen überliefert. Dies impliziert eine weitestgehende Eliminierung alles Erotischen. „Weitgehend“ heißt, dass es zwar beginnende Überlieferungen der ovidschen Ars amatoriaund der Amoresals Rezeption der Antike gegeben hat, diese jedoch nichts über die Epoche selbst aussagt. Das nahezu nichtige Lese-Schreib-Vermögen der Laienkultur hüllt deren Sexleben in Schleier. Nach Haimo von Auxerre, dessen Pauluskommentar Goetz heranzieht, sollten Mann und Frau innerhalb der Ehe gewissermaßen gegenseitig über die Geschlechtsorgane des Partners verfügen und statt dessen Verteufelung wurde Sex zur ehelichen Pflicht:

„Der Mann soll der Frau geben, was er ihr schuldig ist, und ebenso die Frau dem Mann […] dass sie sich nicht gegenseitig dem Geschlechtsverkehr entziehen sollen. Wenn der Mann mit seiner Frau schlafen will, so soll sie ihm dazu Gelegenheit und Erlaubnis erteilen. Genauso aber diene der Mann der Frau und erfülle ihr gegenüber die Pflicht zum Beischlaf, wenn sie es wünscht.“

Die ergiebigsten Quellen für Sex im frühen Mittelalter sind die Bußbücher(Paenitentialien), welche als normative Texte nur Ahnungen von reellem Sexleben zulassen. Es handelt sich dabei um Beicht-Manuale für Priester. Diese seit dem 6. Jahrhundert bekannten Bußkataloge sind gestaffelt nach der Art des Vergehens einerseits und nach dem Status des Sünders, also Kleriker oder Laie, verheiratet oder unverheiratet andererseits. Für ihre monastische Herkunft haben die Schreiber der Bücher erstaunlich gute Kenntnisse über viele Varianten des Sexualverkehrs sowie Masturbation und Sodomie im heutigen Sinne. Unter verbotenen Orgasmusmöglichkeiten finden sich „retro“ (vaginal bei Bauchlage der Frau), „in tergo“ (anal), „in Os“ (oral), „coitus in femoribus“ (Schenkelverkehr) und „coitus in Manu“ (Masturbation). Die oft recht detaillierten Beschreibungen konnten auch als Anleitungen missbraucht werden, weshalb die Lektüre der Bußbücher durch Laien auch von Papst Nikolaus I. 866 verboten wurde und ihr Gebrauch auf verschiedenen Regionalkonzilen im 9. Jahrhundert ganz außer Gebrauch gesetzt wurde. Dennoch gingen ihre Lehren zum Teil mittelbar in die spätere Kanonistik ein.

Neben den Bußbüchern sind Predigten, Historien, Hagiographien, Reformschriften, Lastertraktate und (vor allem angelsächsische) Missionarsbriefe weitere Vertreter von klerikalen Quellen, die das Thema Sex mehr oder minder berühren.

Unter den wenigen profanen Quellen befinden sich die Volksrechte der Germanen, also die,

„Leges barbarorum“, welche bereits unter kirchlichem Einfluss Bestimmungen gegen „widernatürliche“ Sexualvergehen Vorgaben für das Intimleben von Paaren beinhalteten. Das

„Lex Bai-uvariorum“ beispielsweise bestrafte Sexualverkehr mit einer willigen Frau (weil sie noch nicht vermählt und somit befleckt war), sofern man sie nicht anschließend heiratete ... ( Dinzelbacher 1994, S. 53-55.)

 

http://besitzerinlc.beepworld.de/seite2.htm  … Text und Bild

Wenn man wollte, könnte unten stehender Text auch, zweideutig gelesen werden.

o herr, minne mich gewaltig und minne mich oft und lang.

je öfter du mich minnest, um so reiner werde ich;

je gewaltiger du mich minnest, um so schöner werde ich;

je länger du mich minnest, um so heiliger werde ich.(Mechthild v. Magdeburg, 13. jh., Nonne)

http://www.tagesspiegel.de/wissen/mittelalter-liebesbegehren-und-frommer-verzicht/7572676.html

http://www.uni-salzburg.at/pls/portal/docs/1/543159.PDF

Das Gedicht einer unbekannten Dichterin, aus dem 12. Jahrhundert, findet sich am Ende eines Briefes einer hochgestellten Dame an ihren geistlichen Lehrer.

Dû bist mîn, ich bin dîn …

des solt dû gewis sîn;

dû bist beslozzen in mînem herzen,

verlorn ist daz slüzzelîn:

dû muost och immer darinne sîn.

Thema des Briefes ist die "Amicia, die Liebe". Im darauf folgenden Brief wirbt der Geistliche vergeblich um die Dame, denn diese gibt ihm in ihrem dritten Brief einen Korb. Offenbar hat sie das Gedicht eher platonisch gemeint.

Alle drei Briefe stammen aus der Briefsammlung des Werinher von Tegernsee aus der Zeit um 1200 (Münchner Universitätsbibliothek, Codex lat. 19411; vgl. deutsche Dichtung des Mittelalters, Bd. I, Von den Anfängen bis zum hohen Mittelalter, hrsg. von M. Curschmann und I. Glier, München: Hanser, 1980. Kommentar, 784).